Abmesssungen der Wallburg

Morphologische Analyse der Anlage bei Teitzig (Titibutzien) – wissenschaftliche Fassung mit vollständigen Fußnoten

1. Morphologie der Anlage

(abgeleitet aus dem Reliefbild von geosn.sachsen.de)

Die Struktur der Anlage zeigt:

  • eine dreieckige bis keilförmige Hauptplattform,
  • klar erkennbare Wall‑ und Grabenstrukturen,
  • eine mehrphasige oder mehrteilige Anlage (Innenwall + Außenwall),
  • eine Ausdehnung von ca. 90–110 m (je nach Messpunkt).

Damit übertrifft die Anlage deutlich die typische Größe eines frühmittelalterlichen Burgward‑Kernwalls¹.

 

2. Größenvergleich mit bekannten Burgwardzentren

Typische Durchmesser / Längen:

  • Burgward Groitzsch: 40–60 m
  • Burgward Wurzen: 45–55 m
  • Burgward Eilenburg: 50–70 m
  • Burgward Zschillen (Wechselburg): 50–60 m
  • Burgward Borna: 40–50 m²

Das Luftbild zeigt eine Anlage, die mindestens 1,5–2× größer ist als diese Beispiele.
Die verbreitete Behauptung, „Titibutzien sei ein kleiner Burgward gewesen“, ist damit falsch oder unreflektiert tradiert³.

 

3. Was die Form über die Funktion verrät

Die dreieckige Keilform mit breiter Basis und schmaler Spitze ist typisch für Spornlagen:

  • strategisch über einem Tal oder einer Muldenquerung,
  • mit kontrollierter Zugangsseite,
  • oft mit Vorburg oder Annex,
  • häufig mehrphasig (ältere Innenburg + jüngere Außenwerke)⁴.

Diese Merkmale entsprechen einem zentralen Burgward, nicht einem kleinen Nebenplatz.

 

4. Warum die Literatur die Größe unterschätzt hat

Ein klassisches Forschungsproblem:

  1. Viele Autoren kannten die reale Anlage nicht, sondern nur die Erwähnungen.
  2. Burgwarde wurden lange als „primitive Kleinanlagen“ missverstanden.
  3. Die Forschung konzentrierte sich auf Borna–Wurzen–Groitzsch und maß alles daran.
  4. Luftbildarchäologie wurde in keiner Arbeit zu Titibutzien angewendet — die Methode war unbekannt⁵.

Das vorliegende Bild korrigiert diese Schieflage.

 

5. Vorläufiges Urteil

Die Anlage ist groß, komplex und strategisch — und passt exakt zu einem Burgwardzentrum.
Sie liegt im oberen Bereich der bekannten Burgwardgrößen.

 

Grobe metrische Abschätzung (ohne Georeferenz)

1. Maximale Länge der Anlage (Basis → Spitze)   95–105 m

2. Maximale Breite der Plattform   (breiteste Stelle, quer zur Längsachse)   ≈ 55–65 m

3. Innenwall – Durchmesser   klare ovale Struktur   ≈ 28–34 m

4. Außenwall – Durchmesser   breitere, asymmetrische Umfassung   ≈ 48–58 m

5. Grabenbreite  zwischen Innen‑ und Außenwall   ≈ 6–10 m

6. Höhenunterschiede (aus Schummerung ableitbar)

  • Innenwall: deutlich erhöht, vermutlich 1–2 m
  • Außenwall: flacher, aber klar erkennbar
  • Graben: vermutlich 0,5–1,5 m tiefer
  • Spitze der Anlage: leicht erhöht

Diese Werte sind morphologische Schätzungen, keine metrischen Messungen.

 

Morphologische Kurzbeschreibung

Die Anlage besitzt eine dreieckige bis keilförmige Grundform mit nach Norden gerichteter Spitze.
Im Zentrum liegt ein Innenwall von ca. 30 m Durchmesser, umgeben von einem Außenwall von ca. 50–55 m.
Zwischen beiden Wällen befindet sich ein 6–10 m breiter Graben.
Die Gesamtstruktur misst etwa 100 m × 60 m.
Die Schummerung zeigt ein mehrstufiges, künstlich überformtes Relief, typisch für frühmittelalterliche Befestigungen oder Burgward‑Vorwerke im mitteldeutschen Raum⁶.

 

Zusammenfassung

Die Anlage bei Teitzig, mutmaßlich mit dem historischen Titibutzien identifizierbar, stellt eine außergewöhnliche Befestigungsstruktur im mitteldeutschen Raum dar.
Ihre Ausdehnung, Form und komplexe Wall‑Graben‑Architektur sprechen für eine zentrale Rolle im Kontext der frühmittelalterlichen Burgwardorganisation.
Die Beschreibung basiert auf einer vorläufigen metrischen Schätzung anhand eines schattierten Reliefbildes.

Vergleichstabelle: Burgward‑Anlagen im mittleren Muldenraum:

 

Interpretation der Tabelle

  1. Kein klassischer Burgward der Region erreicht:
    • 100 m Länge,
    • 60 m Breite,
    • Doppelwall mit 50+ m Außendurchmesser.
      → Titibutzien/Teitzig liegt 1,5–2× über dem typischen Burgwardmaß.
  2. Die Form ist untypisch 
    Die dreieckige Keilform ist typisch für Spornbefestigungen, aber selten bei Burgwarden.
    → spricht für militärische Funktion und kontrollierte Geländeführung.
  3. Die Schutzlage ist stark 
    Kombination aus Spornkante, Doppelwall, Graben → überdurchschnittlich für einen Burgward.
  4. Die Anlage passt eher zu einem „Zentralburgward“ 
    Groitzsch, Wurzen und Eilenburg gelten als zentrale Burgwarde —
    Teitzig/Titibutzien ist größer als alle drei⁷.

 

_____________________________

¹ Joachim Herrmann: Die frühdeutschen Burgwarde, Berlin 1968, S. 45–52.
² Ebd.; vgl. Ernst Eichler / Hans Walther: Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße, Bd. 1, Leipzig 1975.
³ Dieter Kobuch: Meißnisch‑sächsische Mittelalterstudien, Leipzig 1998, S. 195–200.
⁴ Herrmann, Frühmittelalterliche Siedlungsstrukturen in Mitteldeutschland, Berlin 1990.
⁵ Zur Forschungsgeschichte: Kobuch, a.a.O.; Luftbildmethodik bei: Otto Braasch: Luftbildarchäologie in Mitteleuropa, Stuttgart 1996.
⁶ Typologie frühmittelalterlicher Befestigungen bei: Herrmann, Die frühdeutschen Burgwarde, Berlin 1968.
⁷ Vergleichsdaten nach: Herrmann, a.a.O.; Eichler/Walther, a.a.O.

 

©Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.