GIS Modellierung
Einführung zu den beiden Schenkungen an Naumburg und zu den Pegauer Annalen
Die vorliegende Seite behandelt zwei klar zu trennende Schenkungsakte im Zusammenhang mit dem Ort Titibutzien / Tibutzin und ordnet sie in den regionalen Quellenkontext ein¹.
Forschungsgeschichte und onomastische Debatte
Beide Akte sind eigenständige Rechtsvorgänge; in der Sekundärliteratur wurden sie jedoch wiederholt vermischt, vor allem wegen:
- onomastischer Ähnlichkeit (Tzbuzin / Tibutzin / Titibutzien),
- fragmentarischer Überlieferung,
- fehlender eindeutiger Lokalisierungen.
Die Ableitung des Namens Titibutzien aus dem benachbarten Ort Teitzig wurde in älteren Bewertungen kontrovers diskutiert².
Einige Herausgeber korrelierten Formen von Tibutzin mit Teitzig, doch diese Identifikation ist nicht einhellig und erfordert zusätzliche onomastische und topographische Belege³.
1. Erstübertragung (Heinrich IV. → Naumburg)
Die Überlieferung führt eine Schenkung Heinrichs IV. an das Domkapitel Naumburg in das 11. Jahrhundert (typisch datiert in die 1070er Jahre).
In der Edition des Naumburger Urkundenbestands ist der Haupttext dieser Urkunde jedoch bis auf Signatur‑ und Bekräftigungszeile ausradiert⁴.
Als unmittelbarer Hinweis bleibt eine dorsuale Notiz des 12. Jahrhunderts:
Traditio Tibuzin
Aus der Kanzlerzeile ergibt sich eine grobe Datierungsstütze in die Regierungszeit Heinrichs IV.
Methodisch ist die dorsuale Notiz nur als onomastischer Hinweis zu verwenden; sie belegt nicht:
- die Rechtsform (z. B. villa, mons),
- die Existenz einer Burg,
- die Zugehörigkeit zu einem Burgward,
- oder die genaue Lage.
2. Spätere Schenkung (Kloster Buch → Naumburg)
Die zentrale mittelalterliche Quelle für die Lokalisierung von Titibutzien ist eine Urkunde des Zisterzienserklosters Buch, überliefert im:
Urkundenbuch des Hochstifts Naumburg, Band II (1207–1300)⁵.
Sie stellt die einzige bekannte schriftliche Nennung dar, in der der Ortsname Tibuz / Tibutzin ausdrücklich zusammen mit einem Berg (cum monte) erscheint und zudem als Besitz des Klosters Buch belegt ist.
Aussteller und Kontext
- Aussteller: Zisterzienserkloster Buch
- Empfänger: Domstift Naumburg
- Datierung: 13. Jahrhundert (1207–1300)
- Rechtsakt: eindeutige Schenkung, keine Veräußerung
Die lateinische Kernaussage lautet:
… donamus villam Tibuz cum monte …
„… wir schenken das Dorf Tibuz samt dem Berg …“
Diese kurze, aber präzise Formulierung ist für die Titibutzien‑Forschung von herausragender Bedeutung.
Bedeutung der Urkunde
Die Urkunde bestätigt drei grundlegende Fakten:
- Tibutz war ein realer Ort.
- Tibutz verfügte über einen zugehörigen Berg, der so wichtig war, dass er ausdrücklich erwähnt wird.
- Das Kloster Buch besaß Tibutz, bevor es den Ort an das Naumburger Domstift verschenkte.
Damit wird die enge Verbindung zwischen dem Muldenraum und dem Kloster Buch historisch fassbar.
Die Lage von Tibutz/Titibutzien ist folglich im Einflussbereich des Klosters Buch zu suchen – also im Muldengebiet, nicht im Bereich der Pleiße⁶.
Dies stützt die Lokalisierung im Raum Teitzig – Titibutzien – Lastau und widerspricht älteren Ansätzen, die den Namen mit Borna in Verbindung brachten.
Die Bedeutung von „cum monte“
Der Ausdruck cum monte ist klassisches Urkundenlatein und bedeutet:
„mit dem dazugehörigen Berg“.
Das Wort mons kann im mittelalterlichen Kontext bedeuten:
- Berg im wörtlichen Sinn,
- Hügel oder Geländesporn,
- strategisch erhöhter Ort,
- Burgberg oder Wallanlage⁷.
Gerade in slawisch geprägten Grenzregionen wird mons häufig verwendet, um befestigte Höhenpunkte zu bezeichnen – Orte mit militärischer oder herrschaftlicher Funktion.
Die Formulierung Tibuz cum monte bedeutet daher:
- Tibutz war nicht nur ein Dorf,
- sondern besaß einen strategisch relevanten Höhenpunkt,
- der so bedeutend war, dass er im Rechtsakt ausdrücklich genannt wird.
Solche Erwähnungen erfolgen nur, wenn der Berg:
- befestigt war,
- strategisch genutzt wurde,
- oder einen eigenständigen Besitzwert darstellte⁸.
Damit ist cum monte ein starker Hinweis auf eine Burg‑ oder Wallanlage – und passt exakt zur topographischen Situation des Burgbergs Titibutzien oberhalb von Teitzig.
Fazit
Die Schenkungsurkunde des Klosters Buch liefert einen eindeutigen historischen Ankerpunkt für die Lokalisierung von Titibutzien.
Sie belegt:
- den Ortsnamen Tibuz/Tibutzin,
- den zugehörigen Burgberg,
- und die Zugehörigkeit zum Kloster Buch.
In Verbindung mit der topographischen Analyse und den neuen Luftbilddaten ergibt sich ein kohärentes Gesamtbild, das die Identifikation des Burgbergs bei Teitzig als Titibutzien stark unterstützt⁹.
Quellenfunktion der Pegauer Annalen
Die Annales Pegavienses liefern keinen direkten urkundlichen Beleg für einen der beiden Akte.
Ihre Bedeutung liegt in der kontextuellen Einordnung:
- klösterliche Landschaft,
- Herrschaftsverhältnisse,
- typische Muster von Dotation, Tausch und Zinsübertragung im Muldenraum (11.–frühes 13. Jh.)¹⁰.
Damit erklären die Annalen plausibel, wie ein Ort, der im 11. Jahrhundert an Naumburg fiel, im 13. Jahrhundert teilweise im Besitz eines Klosters erscheinen konnte.
Sie sind jedoch kein Beleg für die konkrete Verortung des Burgwards Titibutzien im Raum Borna–Rötha.
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¹ Zur Trennung der Rechtsakte: Dieter Kobuch: Meißnisch‑sächsische Mittelalterstudien, Leipzig 1998, S. 195–210.
² Ernst Eichler / Hans Walther: Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße, Bd. 1, Leipzig 1975.
³ Jürgen Udolph: Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Berlin/New York 1994, S. 45–52.
⁴ Urkundenbuch des Hochstifts Naumburg, Bd. I, hrsg. von Friedrich Israel, Halle 1876–1881, Nr. 47 (mit Ausradierung).
⁵ Urkundenbuch des Hochstifts Naumburg, Bd. II (1207–1300), hrsg. von Friedrich Israel, Halle 1881, Nr. 312.
⁶ Herrmann, Frühmittelalterliche Siedlungsstrukturen in Mitteldeutschland, Berlin 1990.
⁷ Vgl. die Bedeutungsfelder von mons in: Heinrich Brunner: Deutsche Rechtsgeschichte, Bd. 1, Leipzig 1887, S. 112–115.
⁸ Beispiele in slawisch‑deutschen Grenzregionen bei: Václav Šmilauer: Osídlení Čech ve světle místních jmen, Prag 1960.
⁹ Luftbildarchäologische Interpretation nach: Otto Braasch: Luftbildarchäologie in Mitteleuropa, Stuttgart 1996.
¹⁰ Annales Pegavienses, in: MGH SS 16, hrsg. von G. H. Pertz, Hannover 1859.
